Biobank

Was ist eine Biomaterialbank und worin besteht ihr Nutzen?

Medizinische Forschung ist der Schlüssel zur Heilung von Krankheiten und zur Verbesserung der medizinischen Versorgung. Dafür sind Untersuchungen an menschlichem Biomaterialien, z. B. Blut, Zellen und Gewebeproben, unerlässlich. Für viele Untersuchungen wird frisches, unfixiertes Material benötigt, welches möglichst schnell nach der Entnahme eingelagert werden muss, um den einsetzenden Abbau (Degradierung) vieler Biomoleküle zu verhindern, da sonst Untersuchungsergebnisse nachhaltig beeinträchtigt oder gar verfälscht werden können.

Der Betrieb einer modernen Biomaterialbank (d.h. die Entnahme, Lagerung und Nutzung menschlicher Proben und verknüpfter Daten für die Forschung) erfordert die Einhaltung höchster ethischer, rechtlicher und wissenschaftlicher Qualitätsstandards und umfasst daher sehr viel mehr als die bloße Verwaltung von Biomaterialien.
In der Biomaterialbank der Universitätsmedizin Göttingen (UMGB) werden Biomaterialien nach höchsten Qualitätsstandards über viele Jahre für die medizinische Forschung aufbewahrt. Diese Biomaterialien sind vor allem für die Untersuchung wichtiger medizinischer Fragestellungen in verschiedenen Krankheitsgebieten (Krebsforschung, Herz-Kreislaufforschung, Hirnforschung, usw.) bestimmt.

Woher stammen die gelagerten Biomaterialien?

G-CCC-Biobank

Im Rahmen der Behandlung/Operation von Patienten werden zu therapeutischen und diagnostischen Zwecken Gewebe und andere Biomaterialien entnommen und im Rahmen der Routinediagnostik in den einzelnen Fachabteilungen ausführlich untersucht. Nach Abschluss aller Analysen würde nicht mehr benötigtes Restmaterial sachgerecht entsorgt werden. Diese Restmaterialien sind jedoch für die Forschung von großem Wert, da auch winzige Mengen mit modernen Methoden weiter analysiert werden können. Nach Abschluss aller für die Diagnostik notwendigen Untersuchungen werden daher mit Zustimmung des Patienten die verbleibenden Restmaterialien in die Gewebebank überführt und für laufende oder zukünftige Forschungsvorhaben aufbereitet und aufbewahrt. Die asservierten Proben werden nur für Forschungszwecke und nicht für Organtransplantationen verwendet.

Wie können Patienten Biomaterialien spenden und welche Folgen hat das für sie?

Patientinnen und Patienten der UMG haben nach ausführlicher Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt die Möglichkeit einer Spende ihrer für  Therapie oder Diagnostik nicht mehr benötigten biologischen Restmaterialien schriftlich zuzustimmen. Mit der Aufnahme der Gewebeprobe in die Gewebebank sind für die Patienten keine zusätzlichen apparativen (z. B. Röntgen-Aufnahmen) oder sonstigen klinischen Untersuchungen verbunden. Durch die Materialspende entstehen weder den Patienten noch den Krankenkassen zusätzliche Kosten. Eine finanzielle Vergütung für entnommene Gewebeproben kann und darf aus ethischen Gründen nicht erfolgen, d.h. Patienten erhalten weder für die Gewebespende noch für eventuelle Forschungsergebnisse, die an ihrem Gewebe erzielt wurden, eine Bezahlung. Eine Teilnahme ist für die Patienten mit keinerlei Nachteilen für die jetzige oder nachfolgende Behandlungen verbunden. Die Teilnahme an der Gewebebank beinhaltet für die Patienten aber auch keinen direkten persönlichen Nutzen für die Behandlung, sie helfen mit ihrer Gewebespende jedoch zukünftig Erkrankten.

Um die gespendeten Biomaterialen sinnvoll nutzen zu können, ist es notwendig, zusätzlich bestimmte Informationen über den Spender zu erfassen. Spender werden daher zusätzlich gebeten, der Erfassung und Speicherung

  • Personenbezogener Daten
  • Medizinische Untersuchungsbefunde und Behandlungsdaten, sowie
  • Analysebefunde aus den gewonnenen Biomaterialien


zuzustimmen.

Die elektronische Speicherung und Verarbeitung von Daten (Krankheitsdaten) erfüllt alle Anforderungen des Datenschutzes. Es wird sichergestellt, dass eine Rückverfolgung der Daten auf Personen oder eine Verknüpfung mit der Krankengeschichte durch Dritte nicht möglich ist.
Um eine korrekte Dokumentation aller wichtigen Daten zu gewährleisten, müssen speziell dafür beauftragte Fachleute Einblicke in die Krankheits- und Studiendaten der Patienten nehmen. Die mit der Datenprüfung beauftragten Personen sind zur strengen Vertraulichkeit und zur Beachtung des Datenschutzes verpflichtet. Auch die Weitergabe von Gewebeproben sowie dazugehöriger Verlaufsdaten zu Forschungszwecken an Dritte erfolgt nur in pseudonymisierter (d. h. verschlüsselter) Form an hierfür als verantwortlich dokumentierte wissenschaftliche Mitarbeiter, sodass Rückschlüsse auf Personen nicht möglich sind.