Mediastinaltumoren

Mediastinaltumoren sind einer der Haupt-Schwerpunkte des Instituts. Unsere Arbeitsgruppe verfügt über eine langjährige diagnostische und wissenschaftliche Erfahrung im Umgang mit diesen Tumoren.

Grundlegende Zahlen und Fakten zu Thymomen und Thymuskarzinomen

Thymom
Thymom

Der Thymus gehört zu den primären lymphatischen Organen und ist für die Ausreifung der T-Zellen verantwortlich, die einen wichtigen Teil unseres Immunsystems ausmachen und für die Abwehr von Erregern unverzichtbar sind. Thymome und Thymuskarzinome sind seltene epitheliale Tumoren des Thymus mit einer Inzidenz von etwa 1 pro 1 Mio Einwohner. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Die Erkrankungsursache ist unbekannt, genetische Risikofaktoren wurden bislang nicht nachgewiesen, auch eine familiäre Häufung besteht nicht.

Eine Besonderheit aller Thymome, die nicht selten erst zur Entdeckung dieser langsam wachsenden Tumoren führt, ist das häufige Auftreten autoimmuner Begleiterkrankungen. Unter diesen ist vor allem die Myasthenia gravis (MG), eine schwere und manchmal lebensbedrohliche Muskelschwäche, besonders häufig und von großer klinischer Bedeutung. MG wird auf die Fähigkeit von Thymomen zur intratumorösen Reifung und zum Export von T-Zellen zurückgeführt. Von den Thymomen abgegrenzt werden müssen die seltenen Thymuskarzinome (5–7% aller Thymustumoren), die nicht mit einer Myasthenia gravis assoziiert sind.

Die histologische Einteilung von Thymomen ist von großer therapeutischer und prognostischer Bedeutung

Klassifikation von Thymomen
Klassifikation von Thymomen

Thymome weisen sehr große morphologische und klinisch-biologische Unterschiede auf. Als histopathologische Klassifikation der Thymustumoren hat sich die seit 1999 gültige und im Jahre 2004 überarbeitete WHO Klassifikation weltweit durchgesetzt und ältere histopathologische oder klinisch-pathologische Einteilungen abgelöst. In dieser Klassifikation werden Thymome basierend auf morphologischen Kriterien in die Subtypen A, AB und B, letztere mit den Untergruppen B1, B2 und B3 unterteilt und als Gesamtgruppe den Thymuskarzinomen gegenübergestellt. Während die Subtypen A, AB und B1 in aller Regel einen klinisch gutartigen Verlauf aufweisen, handelt es sich bei Typ B2 und B3 Thymomen und Thymuskarzinomen um aggressive Tumoren mit der Fähigkeit zur Metastasierung. In ca. einem Drittel der Fälle weisen sie einen geringen Malignitätsgrad („low grade“) auf. Zu dieser prognostisch relativ günstigen Gruppe zählen hochdifferenzierte verhornende Plattenepithelkarzinome, basaloide und mukoepidermoide Karzinome sowie wahrscheinlich die typischen Karzinoide aus der Gruppe der neuroendokrinen Tumoren. Unter den Thymuskarzinomen mit hohem Malignitätsgrad („high grade“) finden sich am häufigsten wenig differenzierte Plattenepithelkarzinome, lymphoepitheliomähnliche, klarzellige, sarkomatoide und undifferenzierte Karzinome, sowie die klein- und großzelligen neuroendokrinen Karzinome. Nahezu alle anderen bekannten Tumorarten wie Sarkome, Keimzelltumoren und Lymphome können ebenfalls im Mediastinum auftreten.

Wie werden Thymome und Thymuskarzinome therapiert?

Mutation in Thymuskarzinom
Nachweis einer cKIT-Mutation und Ansprechen auf eine gezielte (“targeted”) Therapie bei einem Patienten mit metastasiertem Thymuskarzinom (Ströbel et al. N Engl J Med. 2004).
Analyse auf aktivierte Rezeptor-Tyrosinkinasen in Frischgeweben von Thymomen und Thymuskarzinomen und erfolgreiche Therapie eines metastasierten Thymuskarzinoms mit dem Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor Sunitinib (Ströbel et al. Br J Cancer 2010).

Für alle Tumoren ist die vollständige chirurgische Entfernung durch Operation die Therapie der Wahl. Die weit überwiegende Mehrzahl der Typ A, AB und B1 Thymome treten in resektablen, lokalisierten Stadien auf. Bei vollständiger Entfernung dieser klinisch gutartigen Typen ist nach vorliegenden Erkenntnissen eine Verlaufsbeobachtung ausreichend, die aber langfristig erfolgen muss, da Thymome auch nach 20 Jahren noch rezidivieren können. Bei malignen Thymomen sollte ab einem Tumorstadium Masaoka III (Infiltration von Nachbarorganen) eine adjuvante Therapie (je nach Gesamtsitutation Bestrahlung und/oder Chemotherapie) angeschlossen werden. In Fällen, in denen der Tumor für eine Operation bereits zu weit fortgeschritten ist, besteht die Möglichkeit einer Tumorverkleinerung durch eine neoadjuvante Chemotherapie oder durch eine Therapie mit Somatostatin-Analoga mit anschließender Operation (und anschließend ggf. erneuter Chemotherapie). Die adjuvante und neoadjuvante Therapie fortgeschrittener Thymome und Thymuskarzinome ist derzeit noch ein Problemfeld und erfordert dringend die Identifikation potentieller neuer therapeutischer Targets. Solche neuen therapeutischen Targets zu erarbeiten ist eines der Hauptschwerpunkte unserer Gruppe.

Referenzpathologische Begutachtung von Thymomen und Thymuskarzinomen

Aus den oben beschriebenen wichtigen Unterschieden in Bezug auf Biologie, Therapie und Prognose kommt der korrekten histologischen Einteilung durch einen Pathologen eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Aufgrund der großen Seltenheit dieser Tumoren haben allerdings nur wenige Pathologen eine ausreichende Erfahrung mit Thymomen.

•    Sollten Zweifel an der korrekten Zuordnung eines Tumors in eine der oben beschriebenen Kategorien bestehen, können Sie eine konsiliarische Zweitbegutachtung durch unsere erfahrenen Diagnostiker durchführen lassen.

•    Durch unser lokales, nationales und internationales Netzwerk können wir Patienten und Ärzte in Problemfällen kompetent beraten und Kontakte zu anderen Spezialisten vermitteln.

Die Mitarbeiter unseres Instituts haben in der Referenzdiagnostik und wissenschaftlichen Bearbeitung von Thymomen und anderen Mediastinaltumoren langjährige Erfahrung vorzuweisen und waren wesentlich an der Verfassung der derzeitigen Klassifikation der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) dieser Tumoren beteiligt (Marx, Ströbel et al. Thymomas. In: World Health classification of tumors. Tumours of the Lung, Pleura, Thymus and Heart, Pathology & Genetics. Lyon, IARC 2004). Darüber hinaus sind wir im Auftrag der Internationalen Akademie für Pathologie (IAP) als Dozenten in der Ausbildung anderer Pathologen in diesem Spezialgebiet tätig.

Publikationen zum Thema

Ströbel P, Hohenberger P, Marx A. Thymoma and thymic carcinoma: molecular pathology and targeted therapy. JTO. 2010;5:S286-290.

Ströbel P, Bargou R, Wolff A, Spitzer D, Manegold C, Dimitrakopoulou-Strauss A, Strauss L, Sauer C, Mayer F, Hohenberger P, Marx A. Sunitinib in metastatic thymic carcinomas: laboratory findings and initial clinical experience. Br J Cancer. 2010;103:196-200.

Müller-Hermelink HK, Engel P, Kuo TT, Ströbel P, Marx A, Harris NL, Möller P, Menestrina F, Shimosato Y, Asamura H, Masaoka A, Sobin LH. Tumours of the thymus. In: Travis MD, Brambilla E, Müller-Hermelink HK, et al., eds. World Health Organization Classification of Tumours Pathology and Genetics of Tumours of the Lung, Thymus and Heart. Lyon: IARC Press; 2004:145-247.

Ströbel P, Bauer A, Puppe B, Kraushaar T, Krein A, Toyka K, Gold R, Semik M, Kiefer R, Nix W, Schalke B, Muller-Hermelink HK, Marx A. Tumor recurrence and survival in patients treated for thymomas and thymic squamous cell carcinomas: a retrospective analysis. JCO. 2004;22:1501-1509.

Ströbel P, Hartmann M, Jakob A, Mikesch K, Brink I, Dirnhofer S, Marx A. Thymic carcinoma with overexpression of mutated KIT and the response to imatinib. N Engl J Med. 2004;350:2625-2626.

Ströbel P
, Hartmann E, Rosenwald A, Kalla J, Ott G, Friedel G, Schalke B, Kasahara M, Tomaru U, Marx A. (2014): Corticomedullary differentiation and maturational arrest in thymomas. Histopathology;64(4):557-66.

Ströbel P
, Zettl A, Shilo K, Chuang WY, Nicholson AG, Matsuno Y, Gal A, Laeng RH, Engel P, Capella C, Marino M, Chan JK, Rosenwald A, Travis W, Franks TJ, Ellenberger D, Schaefer IM, Marx A. (2014) Tumor genetics and survival of thymic neuroendocrine neoplasms: A multi-institutional clinicopathologic study. Genes Chromosomes Cancer. doi: 10.1002/gcc.22183. [Epub ahead of print] PMID: 24764238

Marx A, Ströbel P, Badve SS, Chalabreysse L, Chan JK, Chen G, de Leval L, Detterbeck F, Girard N, Huang J, Kurrer MO, Lauriola L, Marino M, Matsuno Y, Molina TJ, Mukai K, Nicholson AG, Nonaka D, Rieker R, Rosai J, Ruffini E, Travis WD. (2014) ITMIG consensus statement on the use of the WHO histological classification of thymoma and thymic carcinoma: refined definitions, histological criteria, and reporting. J Thorac Oncol;9(5):596-611

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. P. Ströbel
Tel. 0551 39 6858
philipp.stroebel@med.uni-goettingen.de

Hr. Stefan Küffer (Leiter Forschungslabor)
Tel. 0551 39 8953
stefan.kueffer@med.uni-goettingen.de